Agile Requirements Engineering in der Praxis

Der kollaborative und nutzerzentrierte Ansatz des Agile Requirements Engineering (ARE) hilft Teams, auch in dynamischen und komplexen Projektumfeldern flexibel zu bleiben und fundierte Entscheidungen zu treffen.
Doch wie funktioniert das im Projektalltag konkret? Vor welchen Herausforderungen stehen Requirements Engineers im agilen Kontext und welche Arbeitsweisen haben sich in der Praxis bewährt?
Darüber sprechen wir mit unserem Senior Berater Jürg Meschter. Er ist als Product Owner in einem IT-Projekt der Bundesverwaltung tätig und gibt Einblicke in seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Fachbereich, Governance und Entwicklung.
Jürg, du arbeitest in einem IT-Projekt beim Bund als Product Owner. Welche klassischen Aufgaben aus dem Requirements Engineering gehören zu deinem Alltag?
Die klassischen Aufgaben sind Ermitteln, Dokumentieren, Validieren und Verwalten von Anforderungen. Beim Ermitteln hat es sich bewährt, dass wir im Projektteam zunächst Hypothesen formulieren und diese anschliessend mit den Stakeholdern abstimmen und validieren. Die Dokumentation erfolgt primär in Confluence. Für zentrale Inhalte bereiten wir Ergebnisse zusätzlich visuell auf – etwa in Präsentationen –, um sie adressatengerecht im Projektausschuss und gegenüber weiteren Stakeholdern zu vermitteln. Die Validierung erfolgt genau an eben diesen Präsentationen. So werden Anforderungen Schritt für Schritt realisiert, getestet - und bei Bedarf auch wieder verworfen. Entscheidend ist für uns, die Stakeholder aktiv in die Validierung einzubeziehen.
Die Bundesverwaltung bewegt sich in einem stark regulierten Umfeld. Wie gelingt es euch dennoch, iterativ und wertorientiert zu arbeiten?
Wir bewegen uns tatsächlich in einem komplexen Gefüge mit zahlreichen internen und externen Anspruchsgruppen. Die grösste Herausforderung besteht darin, unterschiedliche Akteure zu sensibilisieren, gemeinsame Zielbilder zu entwickeln und Schnittstellen klar zu definieren. Auch wenn der Bund nicht gewinnorientiert arbeitet, rücken wir als externe Beratende den Mehrwert – den Business Value – bewusst in den Fokus. Wertorientierung bedeutet in diesem Kontext: nachhaltiger Nutzen für die Bevölkerung und die Wirtschaft.
Wie stellt ihr sicher, dass tatsächlich die Bedürfnisse der Endnutzerinnen und Endnutzer befriedigt werden?
Unsere externe Perspektive verbessert die Lösung dank Impulsen von aussen und einem anderen Blickwinkel. Wir bringen Erfahrungen aus anderen Projekten mit – sowohl in Bezug auf Lösungsdesign als auch auf Vorgehensweisen. Da wir auf Mandatsbasis arbeiten, kann der Bund ausserdem flexibel reagieren.
Zum Schluss: Wie hältst du das Team resp. das Gesamtprojekt zusammen? Wir sprechen hier schliesslich von über 100 involvierte Personen.
Zu Beginn war es tatsächlich ein Findungsprozess. Es ging darum, sich kennenzulernen, Vertrauen aufzubauen und Unsicherheiten abzubauen. Mir war wichtig, eine positive Dynamik zu etablieren. Heute freut es mich besonders zu sehen, wie sich das Team entwickelt hat. Wir feiern gemeinsame Erfolge – etwa Projektmeilensteine oder gute Ergebnisse beim Confidence Vote. Manchmal bei einem gemeinsamen Feierabendbier, einem Fondue oder ganz unkompliziert mit einem Gipfeli zum Kaffee.
Fazit
Klare Kommunikation, kontinuierliches Feedback und ein gemeinsames Verständnis von Anforderungen sind zentrale Erfolgsfaktoren.
Agile Requirements Engineering ist weniger ein starres Vorgehensmodell als vielmehr eine Haltung – und eine Kompetenz, die Teams gezielt entwickeln können.
Sie suchen einen Requirements Engineer?
Wir begleiten unsere Kunden auf diesem Weg und unterstützen sie entlang des gesamten Lebenszyklus von Anforderungen – von den Kernaufgaben des Requirements Engineering bis zur Umsetzung, agil oder klassisch.


.webp)








